Visionen zur Medienkompetenz
Kernaussagen:
GMK-Expertenbefragung 2005
Empfehlungen für Studierende
Von allen unseren Interviewpartnern wird wahrgenommen, dass es für Studienabsolventen schwierig ist, einen nahtlosen Übergang vom Studium in den Beruf zu finden. Dieses geschieht bei offenen und unstrukturierten Berufsfeldern wie Medienpädagogik meist nur dann, wenn ein Berufseinstieg durch Praktika und Kontakte mit den zukünftigen Arbeitsgebern vorbereitet wurde.
Beschäftigungsverhältnisse für Medienpädagogen werden zunehmend unsicherer und viele müssen sich darauf einstellen, mehrfach in Folge mit befristeten Verträgen in Projekten beschäftigt zu sein. Es gibt nur wenige explizit auf Medienpädagogen zugeschnittene Stellen. Daher sind Medienpädagogen heute in der Regel gezwungen, selbst sehr initiativ im Berufsfeld zu agieren.
Der Blick auf die Entwicklung der gesamten Gesellschaft zeigt, dass die Berufschancen in vielen Berufsfeldern prekär geworden sind. Prognosen über Chancen und Aussichten auf Grund eines bestimmten Studiums sind heute in vielen Fachrichtungen schwierig und auch dort, wo z. Zt. große Bedarfe existieren, kann sich in fünf Jahren schon ein ganz neues Bild bieten. Auf dem Hintergrund demografischer Veränderungen, einem neuen Zuschnitt des Staates und damit begrenztem Handlungsspielraum für viele traditionelle staatliche Handlungsfelder, in denen Medienpädagogen tätig sind, verändern sich auch die Rahmenbedingungen für medienpädagogische Berufstätigkeit.
Von allen Interviewpartnern wird aber empfohlen, sich nicht von einem Studium der Medienpädagogik abhalten zu lassen. Das Studium wird als wesentliche Voraussetzung für den Beruf gesehen. Da diese Form der Formalisierung existiert, wird sie auch als notwendig erachtet. Quereinstieg ist heute eher ‚out’.
Zusätzlich zu der Qualifizierung durch ein Fachstudium muss man sich medientechnisch qualifizieren, weil praktische Fertigkeiten bei der Bewerberauswahl genau so bedeutsam sind wie hervorragende Examensnoten.
Wie in allen Berufen geht es um ein eigenständiges Interesse für Thematiken, gesellschaftliches Engagement und damit um das ‚Sich hervorheben’ aus der „Masse“. Die Selbstständigkeit als berufliche Perspektive wird als eine Option betrachtet – zumal mit medientechnischen Fertigkeiten (Webdesign, Schnitt etc.) kommerziell verwertbare Dienstleistungen erbracht werden können. Neben Fertigkeiten im Fach und technischen Fertigkeiten werden – wie fast in allen Berufen heutzutage – zusätzliche Fähigkeiten erwartet: Teamfähigkeit, Organisationskompetenz, Projektmanagementkompetenz, finanzwirtschaftliche Kompetenz und kommunikative Kompetenzen.
Auch ein Abwandern ausgebildeter Medienpädagogen in andere Berufsfelder ist denkbar. Zum Beispiel in angrenzende Bereiche, wie Journalismus. Viele Publikationsorgane wünschen heute Bewerber mit Hochschulabschluss. Dieses kombiniert mit den in den Medien nachgefragten medientechnischen Kompetenzen wird sicherlich die Berufschancen dort erhöhen.
Insgesamt gibt es aber keine idealen Zugangswege. Alle Einstiege in medienpädagogische Tätigkeiten sind schwierig und neben dem medienpädagogischen Studium sind Zusatzqualifikationen notwendig.
Zusammenfassend lässt sich das geforderte Profil eines Medienpädagogen wie folgt beschreiben: Sammle viele Erfahrungen und Kenntnisse in Theorie und Praxis, entwickle eigene Interessen und ein eigenes Profil, ergreife selbst Initiative, knüpfe Kontakte zu medienpädagogischen Einrichtungen, erwerbe vielfältige mediale Kompetenzen und Teamfähigkeit, dann bestehen auch Chancen auf dem Arbeitsmarkt.
Medienpädagogische Kompetenzen erhöhen sicher auch dann die Chancen auf eine Einstellung, wenn man mit anderen Fachbereichen konkurriert.
