Visionen zur Medienkompetenz
Kernaussagen:
In Zukunft wird an nahezu jedem Ort elektronische Kommunikation möglich sein.
Die Entwicklung geht hin zu massenhafter individualisierter Kommunikation.
Communities sind nicht mehr an Wohnorte und Nationalität gebunden.
GMK-Expertenbefragung 2005
Neue Beziehungen
Neue technischen Kommunikations-möglichkeiten und neue mediale Angebote werden sich auf das Zusammenleben der Menschen und auf deren Beziehungen auswirken. Dies betrifft sämtliche Lebensbereiche und ist letztendlich eine Fortsetzung eines Prozesses, der längst begonnen hat.
Kommunikation kann zunehmend entpersonalisiert werden, direkte personale Kommunikation kann durch elektronische Kommunikation ersetzt werden, und dies weit in persönliche, private Bereiche hinein.
Doch die Entwicklung ist ambivalent: Chats und Kontaktbörsen bieten heute schon vielen Menschen neue Kommunikationsmöglichkeiten und sind für die einen ein Weg heraus aus einer Isolation, für die anderen aber eine Verarmung von Kommunikation.
Allein durch das wachsende Angebot an Kontaktmöglichkeiten erweitern sich die Optionen auf mögliche Kontakte explosiv. Das erfordert zusätzliche Kompetenzen zur Auswahl und Entscheidung.
Damit die Menschen in diesen Angeboten nicht von jeder Angst durchgeschüttelt werden und wissen und spüren, wo sie in ihrem realen Leben stehen, benötigen sie Selbstreferenz, Selbstbewusstsein und Ich-Stärke.
Hier kann Medienpädagogik helfen, einen Realitätsbezug herzustellen, Empathie zu fördern, Verständnis für andere und den Anderen als autonom und respektabel zu unterstützen. Dabei ist der oder das Andere nicht nur der Mensch, sondern auch Natur, Ökologie etc.
Schafft die mediale Realität neue auf sie zugeschnittene Persönlichkeitstypen, die emotional instabil sind und denen es im Wesentlichen um Selbstinszenierung in einer künstlich geschaffenen Öffentlichkeit geht? Oder ist dies eher eine ‚schicke’, moderne Diskussion, die genau so schnell verebbt, wie sie entstand?
Diskussionen um diese Themen haben bereits begonnen. Pädagogische Forschung wird in Zukunft nach Antworten suchen müssen. Grundlegende gesellschaftliche Veränderungen sind bereits durch das Internet geschehen. Das Internet wird allgegenwärtig. Die Präsenz wird sich verstärken.
Man wird in Zukunft an nahezu jedem Ort in der Lage sein, elektronisch zu kommunizieren und große Datenmengen mobil zu nutzen. Das Phänomen, online zu sein mit allen negativen und positiven Auswirkungen, wird Bildung und Pädagogik in den nächsten Jahren stark beschäftigen.
Doch nicht alles, was technisch machbar ist, wird von den Menschen tatsächlich angenommen.
Trotzdem deutet sich an: Es wird sehr viel mehr unterschiedliche mediale Angebote geben, die in stärkerem Maße spezifisch auf individuelle Interessen zugeschnitten sind.
Das ist auch eine Kernaussage zur Medienentwicklung: Von den Massenmedien, die sich an ein Massenpublikum gewandt haben, geht die Entwicklung hin zu massenhafter individualisierter Kommunikation. Die Digitalisierung von Rundfunk und die damit verbundene Ausweitung und Individualisierung von Angeboten und Möglichkeiten der aktiven Nutzung zeigen Entwicklungen auf. Insgesamt wird dies zu neuen gesellschaftlichen Fragmentierungen führen, sowohl national als auch auf internationaler Ebene.
Communities sind nicht mehr an Wohnorte und Nationalität gebunden. Sie können sich ganz neu nach thematischen Interessen weltweit bilden.
