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Visionen zur Medienkompetenz

GMK-Expertenbefragung 2005

Arbeitsfelder

Im ersten Fragenkomplex geht es um die Arbeitsfelder, in denen Medienpädagogen aktuell beschäftigt sind. Mit unserer Befragung haben wir von vornherein eine Auswahl getroffen – wie in der Einführung bereits erläutert. Die Ergebnisse unserer Befragung haben zwar keinen repräsentativen Charakter, zeigen jedoch deutlich Tendenzen der Entwicklung des medienpädagogischen Berufsfeldes auf.

Die Ergebnisse spiegeln dabei Entwicklungen der letzten Jahre sowohl für den praktischen als auch für den wissenschaftlichen Bereich wider.

In beiden Feldern existiert ein sehr differenziertes Bild über die Realität der jeweiligen Arbeitsbereiche.

Den Bereich ‚Hochschulen’ muss man binnen-differenzieren: So verlaufen die Entwicklungen an den Hochschulen, an den Pädagogischen Hochschulen oder an den Fachhochschulen unterschiedlich. Insgesamt unterliegt die Ausbildung an deutschen Hochschulen einem Modernisierungsprozess. Durch die Modularisierung von Studiengängen unterliegt die Studienplanung einer völlig neuen Gesetzmäßigkeit.

An einigen Hochschulen wird Mediendidaktik für die Schule stärker betont.

Computer und e-Learning rücken ins Zentrum der Aufmerksamkeit.
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Neue Medien, also Computer, e-Learning und Ähnliches rücken ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Doch nach wie vor ist es schwierig, medienpädagogische Inhalte verbindlich ins Studium zu integrieren.

Die finanzielle Situation der Hochschulen hat sich erheblich verschlechtert.
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Dazu kommt, dass sich die finanzielle Situation vieler Hochschulen in den letzten Jahren erheblich verschlechtert hat. So führen Kürzungen im Sachmittelbereich zu schlechterer Ausstattung von Bibliotheken, zu einem Mangel an Arbeitsmaterialien und betreffen natürlich auch die Ausstattung mit Medien. Da die Ressourcen permanent knapper werden, wird es immer schwieriger, Geräte zu ersetzen bzw. zu reparieren.

Der Widerspruch zu dem Slogan „Bildung hat Priorität“ ist – bezogen auf diese finanziellen Rahmenbedingungen – offensichtlich. Andererseits ist aber auch eine Aufwertung der Medienpädagogik zu konstatieren, was sich z. B. durch die Schaffung neuer Professuren für Medienpädagogik, den Aufbau von neuen medienpädagogischen Studiengängen und Medienpädagogik nahen Studiengängen, die Aufwertung von Medienpädagogik im Bereich Weiterbildung, die Einbindung von neuen Medien oder auch von e-Learning-Angeboten in die Lehre und Forschung zeigt.

Ganz wesentlich ist die Umstellung von Diplomstudiengängen auf Bachelor- und Master-Abschlüsse. Dabei ist es schwierig, die Qualitätsansprüche, die für Diplomstudiengänge festgelegt wurden, auch für Bachelor-Studiengänge zu halten und zu gewährleisten.

Die behaviouristische Ausrichtung von Lehre wird als Verschlechterung von Arbeitsbedingungen von Studenten erlebt.
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Einer unserer Interviewpartner beschreibt den Trend wie folgt: „Es zeigt sich zunehmend eine behavioristische Ausrichtung von Lehre und Unterricht in der Weise, dass nach Input – Output gelernt wird und schnellstmöglich Faktenwissen angesammelt werden soll, das in Form von Klausuren oder Arbeitsergebnissen dann wieder abgefragt wird.“ Dies wird als Verschlechterung von Lebens- und Arbeitsbedingungen für Studenten erlebt, weil vieles, was in jahrelangen Auseinandersetzungen erreicht wurde, z. B. die Bedeutung von Reflexionskompetenz oder Kontextwissen verloren geht.

Besonders intensiv wird dieser Prozess wohl an den Fachhochschulen erfahren, wo durch die Modularisierung des Studiums für die Studenten kaum noch Raum bleibt, sich zu spezialisieren oder eigene Schwerpunkte zu bilden. Wenn z. B. in allen 20 Modulen, die studiert werden müssen, Prüfungsleistungen erbracht werden müssen, bleiben geringe Freiräume, sich in einem konkreten Arbeitsfeld zu profilieren. Das als behavioristisch charakterisierte Konzept, das vielen aktuellen Studienordnungen zu Grunde liegt, trainiert Verhalten, stärkt aber nicht die kognitive oder die meta-kognitive Kompetenz.

Doch gibt es nach wie vor Spielräume, die man nutzen kann, sowie Nischen, in denen man medienpädagogische Qualifikationsprozesse und Projekte in der Ausbildung integrieren kann.

Die Bedeutung der elektronischen Medien an Hochschulen wird zunehmen.
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Insgesamt wird nach Einschätzung aller Befragten die Bedeutung der elektronischen Medien an den Hochschulen zunehmen. Klassische medienpädagogische Themen wie Fernsehen und Radio werden um Internet und elektronische Kommunikation erweitert.

Viele Aktivitäten müssen allerdings in Projektform erfolgen. Dadurch fehlt die Kontinuität, die eine Stabilisierung der Integration medienpädagogischer Angebote in Forschung und Lehre in den Hochschulen ermöglichen würde.

Besonders problematisch ist diese Entwicklung auf dem Hintergrund starker gesellschaftlicher Erosionen, die Deutschland auf Grund einer strukturellen Krise z. Zt. durchläuft.

Die Berufschancen für Medienpädagogen sind nach wie vor ungewiss. Zusätzliche Qualifizierungen sind von Vorteil.
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Berufschancen für Medienpädagogen sind nach wie vor heute sehr ungewiss. Als wesentlich wird von allen befragten Wissenschaftlern angesehen, dass sich die Studierenden in bestimmten Fachgebieten besonders qualifizieren müssen. So sollten sich alle, die den medienpädagogischen Studiengang wählen, darüber im Klaren sein, dass es keine geordneten Berufsfelder gibt und dass die Arbeitsfelder sehr unterschiedlich sind.

Für Studierende der Medienpädagogik ist es heute notwendig, neben dem Studium auch praktische medienpädagogische Erfahrungen zu erwerben sowie Kenntnisse im Umgang mit den neuen Medien.

Wer als Student nur sein Pflichtpensum absolviert, hat kaum Chancen auf dem Arbeitsmarkt.
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Wer heutzutage als Studierender nur sein Pflichtpensum absolviert, kann mit keinen besonderen Chancen für den Übergang in eine Berufstätigkeit rechnen.

Laut übereinstimmender Meinung der Experten lassen sich die Chancen auf dem Arbeitsmarkt jedoch durch folgende Aspekte steigern: gezielt gewählte Praktika, die eine Verknüpfung zur beruflichen Praxis ermöglichen, Teilnahme an Fachtagungen schon während des Studiums, Mitarbeit in bestehenden Netzwerken, sowie außerordentliches Engagement.

Insgesamt wird der Medienpädagogik durchaus Zukunft eingeräumt, insbesondere in Bezug auf den Lern-, Kultur- und Sozialisationsraum Internet. Auch die Renaissance und Belebung der Filmbildung bietet neue Chancen. Medienpädagogen benötigen in Zukunft eine Handlungskompetenz verbunden mit profunden Kenntnissen der Zusammenhänge von Medienwirkung sowie ein Wissen darüber, welche Möglichkeiten man hat, mit Medien handlungsorientiert zu arbeiten.

Medienpädagogen benötigen in Zukunft eine „Kompetenz- Performance“.
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Gewünscht wird eine „Kompetenz-Performance“ und nicht eine Kompetenz, die man sich rein kognitiv erarbeitet kann.

Das Fach Medienpädagogik sollte verstärkt berufsorientierende Studienelemente enthalten.
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Es gilt daher in der Zukunft für das Fach Medienpädagogik eine Ausbildungssituation zu schaffen, in der sich Studenten sowohl theoretisch als auch praktisch mit Medien auseinander setzen und Einblicke in Erfahrungsfelder möglicher zukünftiger Tätigkeiten erhalten.

Wenn Medienpädagogen diese Kompetenzen haben, dann sind sie gegenüber konkurrierenden Pädagogen im Vorteil. In den praktischen Arbeitsfeldern, in denen Pädagogen tätig sind, werden medienpädagogische und medientechnische Kompetenzen nachgefragt werden.

Dies wird von den in der Praxis tätigen Medienpädagogen uneingeschränkt bestätigt.

Auch in der Praxis unterliegen medienpädagogische Arbeitsbereiche unterschiedlichen Trends.

Medienpädagogen müssen sich fortlaufend an die Medienentwicklung anpassen.
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So müssen sich praktisch tätige Medienpädagogen fortlaufend an die Medienentwicklung anpassen. Durch das veränderte Medienverhalten ihrer Zielgruppen ergeben sich immer wieder neue Anforderungen und Themen. Sie müssen sich von daher fortlaufend qualifizieren und auf die veränderten Medienwelten ihrer Zielgruppen eingehen.

Zusätzlich haben sich Arbeitsfelder verlagert. So wenden sich einige der von uns befragten Medienpädagogen, die im außerschulischen Bereich tätig sind, auf Grund der Veränderung von Schule hin zu Ganztagsangeboten in letzter Zeit stärker den Schulen zu. Dies entspricht der gesellschaftlichen Nachfrage und dem Lauf der Finanzflüsse.

Auch bei den nicht-universitären Medienpädagogen sind die Tätigkeitsbereiche zu differenzieren. So gibt es diejenigen, die in Medienzentren oder Initiativen tätig sind, die sich mehr oder weniger durch Projektarbeit und eher geringfügige öffentliche Zuwendungen finanzieren und die anderen, die bei fest etablierten Institutionen tätig sind – z. B. bei Rundfunkanstalten, bei Landesinstituten oder etablierten Erwachsenenbildungsinstitutionen.

Feste finanzielle Zuwendungen nehmen ab: die Zukunft ist unsicher.
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Bei nicht etablierten Medienzentren zeichnet sich ein deutlicher Trend ab: Feste Zuwendungen, die die Strukturen der Einrichtungen in der Vergangenheit finanzierten, nehmen ab. An die Stelle treten Projektfinanzierungen, die die Arbeitsbedingungen insgesamt unsicherer werden lassen.

Im außer-universitären Bereich wird die Medienarbeit als eine sehr sinnvolle und effektive Methode erlebt, um mit den jeweiligen Zielgruppen erfolgreich zu arbeiten.

Praktische Nutzung von Medien und gemeinschaftliche mediale Produktion sind besonders geeignet, um schwierige Zielgruppen zu erreichen.
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Häufig ist die praktische Nutzung von Medien, die gemeinschaftliche mediale Produktion, egal mit welchen Medien, ein besonders geeigneter Ansatzpunkt, um schwierige Zielgruppen anzusprechen. Z. B. können sich Jugendliche, die sprachliche Defizite haben, meistens über eine Film- oder Videoproduktion besser ausdrücken.

Medienprojekte werden als ausgesprochen geeignet gesehen, die Zielgruppen mit zentral berührenden Themen zu konfrontieren, weil sie eine sehr aktive Rolle derjenigen voraussetzen, die an den pädagogischen Prozessen teilnehmen.

Praktika und technische Kenntnisse sind Vorraussetzung für die Einbindung im Arbeitsprozess.
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Auch in der Praxis wird gesehen: Praktika und Aneignung technischer Kenntnisse schon während des Studiums sind für die spätere Einbindung von Medienpädagogen in den Arbeitsprozess zentrale Voraussetzung. Auch hier wird empfohlen, die medienpädagogische Ausbildung möglichst breit anzulegen, interdisziplinär zu studieren und medientechnische Grundkenntnisse zu erwerben.

Die bei Landesinstituten tätigen Medienpädagogen sehen in Zukunft eine verstärkte Nachfrage nach medienpädagogischer Fortbildung in Kontext von Schule und Lehrerausbildung. Jedoch sind die finanziellen Rahmenbedingungen der Länder, die für diese Fortbildung zuständig sind, problematisch und für die Zukunft nicht absehbar. Ebenso ist der Bestand vieler Lehrer-Fortbildungsinstitute nicht unbedingt gesichert. Auch wird beklagt, dass einerseits für kurzfristig angelegte Projekte, die als Experimentierfelder dienen, für jeweils ein bis drei Jahre Mittel zur Verfügung gestellt werden.

Mittel für die Implementierung von Projekterfahrung in die Praxis fehlen häufig.
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Mittel für die Implementierung von Projekterfahrung in die Praxis fehlen andererseits aber häufig.

Senioren als neue Zielgruppe der Medienpädagogik.
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Im Bereich der Erwachsenenbildung ist eine besondere Situation zu finden: Einerseits entsteht ein wachsender Bedarf an Bildung und Medienarbeit mit Senioren. Andererseits hat sich in klassischen Erwachsenenbildungs-Institutionen die Arbeit verändert. In den Vordergrund getreten ist die Beschäftigung mit der Veränderung von Institutionen (Change Management). Vielleicht weil bei Lernprozessen mit Erwachsenen von je her die Pädagogik weniger und die Eigenverantwortung mehr betont wurde.

Bei der Tätigkeit an Rundfunkanstalten steht eher das Journalistische im Vordergrund. Medienpädagogik spielt eine besondere Rolle bei Bildungsprogrammen, die auch für die Schulen produziert werden.

Medienpädagogische Arbeit als Teilbereich des Jugendschutzes.
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Ein weiterer Sonderfall ist die Tätigkeit im Bereich des Jugendmedienschutzes. Die Rahmenbedingungen dieses Arbeitsfeldes sind durch die gesetzlichen Vorgaben definiert. Aufgrund dieser Vorgaben werden Medienprodukte geprüft und gegebenenfalls Empfehlungen oder Verbote ausgesprochen. Allerdings ist vielen Jugendmedienschützern klar, dass Jugendmedienschutz nicht ausschließlich im rechtlichen Rahmen funktionieren kann, sondern dass Öffentlichkeitsarbeit, Tagungen und vor allem medienpädagogische Arbeit bezogen auf Eltern und auf Kinder und Jugendliche bedeutsam sind.

Hat sich bei der Veränderung von Tätigkeitsfeldern von Medienpädagogen ein signifikanter Unterschied zwischen Ost und West (-Deutschland) gezeigt? Dies lässt sich für den Hochschulbereich nicht sagen. Die Modernisierungsprozesse, der Wechsel vom Diplom- zu Master- und Bachelor-Abschlüssen betrifft die Hochschulen bundesweit. Hochschulpolitik ist Ländersache, die Prozesse in den verschiedenen Bundesländern ähneln sich im Osten wie im Westen.

In der praktischen Medienpädagogik gibt es deutliche Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland.
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In der praktischen Medienpädagogik gibt es allerdings deutliche Unterschiede, vor allem da bei nicht-staatlichen Medienzentren im Westen mit kommunaler oder Landesunterstützung schon vor der Vereinigung Strukturen gebildet wurden. Ähnliche Strukturen sind in den neuen Bundesländern in dem Maße nicht entstanden.

Das medienpädagogische Netzwerk ist historisch bedingt in den alten Bundesländern stärker geknüpft als in den neuen. Die Themen Medienkompetenzförderung, Medienpädagogik und Medienbildung rangierten inmitten der mannigfaltigen Probleme des Aufbaus der neuen Bundesländer unter ferner liefen.


Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Einführung.
  2. 2 Arbeitsfelder.
  3. 3 Zugangswege.
  4. 4 Empfehlungen.
  5. 5 Europäische Kooperationen.
  6. 6 Zukünftige Themen.
  7. 7 Veränderungen.
  8. 8 Neue Beziehungen.
  9. 9 Globalisierung/ Regionalisierung.
  10. 10 Konvergenz.
  11. 11 Digitale Spaltung.