Massively Multiplayer
Online Role Playing Games, kurz MMORPGs genannt, sind ein Subgenre, das
sich immer größerer Beliebtheit erfreut. Die Tatsache, dass
hier eine komplexe und veränderbare Welt mit Platz für eine
große Zahl von Besuchern geboten wird sorgt dafür, dass Fans
einem guten Spiel dieser Sparte ungewöhnlich lange die Treue halten.
Gemeinsame Erkundungen der Umgebung, Kämpfe mit- und gegeneinander
sowie lange Unterhaltungen schweißen zusammen und lassen Online-Freundschaften
entstehen, die Jahre halten können und durch immer neue Ausflüge
ins virtuelle Abenteuer gepflegt werden.
MMORPG-Zocker satteln nur selten um, aber wenn es passiert, wenden
sie sich in der Regel komplett von ihrer ehemaligen Lieblingsfreizeitbeschäftigung
ab, da es zu viel Zeit in Anspruch nehmen würde, an mehreren Rollenspielen
aktiv teilzunehmen und natürlich auch monatliche Gebühren
anfallen. So kommt es in regelmäßigen Abständen zu einer
Mini-Revolution in der Szene. Nach Ultima Online und Everquest schnappte
sich Anfang 2002 der Internet-Epos Dark Age of Camelot den Genre-Thron
und wird seitdem durch eine große Online-Gemeinschaft sowie regelmäßige
Patches und die Erweiterung Shrouded Isles am Leben gehalten.
Die Geschichte mischt hemmungslos die Legende von König Artus
mit nordischen und keltischen Sagen und seltsamerweise passt am Ende
alles zusammen. Nach dem Tod des weisen Herrschers droht das Reich Albion
im Chaos zu versinken. Die Nachbarn Hibernia und Midgard sehen ihre
Chance gekommen und greifen die Länder Camelots an. Als Spieler
hat man nicht nur die freie Auswahl des Wohnorts, sondern kann sich
außerdem noch Rasse, Geschlecht, Beruf und Aussehen der eigenen
Spielfigur aussuchen.
Das Game erfindet das Genre nicht neu, begeistert aber durch die Verbesserung
vieler altbekannter Elemente. Während das simple Kampfsystem anfangs
für etwas Ernüchterung sorgt, wird schon kurze Zeit später
klar, dass die Duelle mit Monstern oder anderen Spielern sehr viel mehr
zu bieten haben, als in den ersten Stunden gezeigt wird. Allein kann
der eigene Charakter schnell die unteren Levels erreichen, aber dann
müssen Verbündete gesucht werden, um auch die größeren
Herausforderungen zu meistern. Die Zusammenstellung einer Gruppe von
virtuellen Abenteurern kann knifflig sein, da sich die einzelnen Mitglieder
durch Stärken und Schwächen unterschiedlich gut ergänzen.
In den Kämpfen treffen Einzelgänger, computergesteuerte Figuren,
Gruppen oder auch ganze Reiche aufeinander. Es gibt sogar epische Schlachten,
in denen Mitglieder der grundsätzlich verfeindeten Reiche ein Bündnis
eingehen und gemeinsam gegen ein gigantisches Ungeheuer antreten. Der
Einsatz von Gegenständen, Fähigkeiten und Magie muss dabei
jeweils der Situation angepasst werden. Obwohl Kampf ein zentraler Bestandteil
des Gameplays ist, hat das Spiel auch friedfertigen Naturen einiges
zu bieten. So lange der direkte Einflussbereich des eigenen Landes nicht
verlassen wird, besteht keine Gefahr, angegriffen zu werden und ein
ungestörtes virtuelles Zweitleben ist möglich. Der übersichtliche
textbasierte Chat und das strukturierte Handelssystem machen Dark Age
of Camelot auch in Friedenszeiten interessant. Da sich Ausrüstungsgegenstände
wie in der Realität im Laufe der Zeit abnutzen, werden Tausch,
Kauf und Verkauf zu wichtigen Bestandteilen des Spiels. Dark Age of
Camelot erlaubt und belohnt sogar gewalttätige Handlungen, hält
sich bei der Darstellung aber vornehm zurück. Doch obwohl Duelle
und Kriege zwischen ganzen Völkern vorkommen können, liegt
es im Endeffekt am Spieler selbst, wie er das Leben seiner Figur gestaltet.
Grafisch merkt man weder dem Hauptspiel noch dem optisch leicht verbesserten
Add-on ihr Alter an. Die beeindruckende 3D-Welt mit vielen liebevoll
gestalteten Objekten weiß auch zwei Jahre nach der ursprünglichen
Veröffentlichung noch zu gefallen. Auch wenn die spärlich
besiedelten Gebiete auf Dauer etwas langweilig aussehen, entschädigen
die aufwändig konstruierten Städte, ansehnlichen Spielfiguren
und tollen Effekte auf ganzer Linie für dieses Mini-Manko. Lediglich
die nicht von Menschen gesteuerten Monster hätten abwechslungsreicher
ausfallen und mit besseren Animationen versehen werden können.
Die gute Grafik hat ihren Preis. Mindestens ein Pentium III mit möglichst
aktueller Grafikkarte muss unter dem Schreibtisch stehen, wenn der Ausflug
in die Welten von Dark Age of Camelot Spaß machen soll. Melodische
und oft ruhige Töne begleiten gelungen durch die fantastischen
Online-Abenteuer und täuschen darüber hinweg, dass die Soundeffekte
teilweise unterdurchschnittlich sind.
Fazit:
Trotz seines in der Branche biblischen Alters von inzwischen zwei Jahren
ist Dark Age of Camelot noch immer ein gut besuchtes und einsteigerfreundliches
Online-Reich mit Tausenden von Spielern aus aller Welt. Anfangs ist
es die spannende Geschichte mit netten Einzelherausforderungen, später
sind es die neu gefundenen Verbündeten, die zu häufigen Besuchen
motivieren. Es empfiehlt sich, zum Doppelpack inklusive Shrouded Isles
zu greifen, da viele altgediente Helden inzwischen in die neueren und
schöneren Reiche der Erweiterung abgewandert sind. Wer nur einmal
reinschauen will, kann auch den Klassiker einzeln zum kleinen Preis
ergattern. Nachdem Trials of Atlantis, der nächste Zusatz, gerade
in den USA erschienen ist und dort nur mäßige Kritiken erhielt,
bleibt abzuwarten, wie die Zukunft dieses MMORPGs aussehen wird.
GRAFIK |
SOUND |
SPIELSPASS |
ORIGINALITÄT |
TEAMGEIST |
GEWALTHALTIGKEIT |
8,5 (von 10) |
7,5 (von 10) |
9 (von 10) |
8 (von 10) |
9 (von 10) |
8 (von 10) |