In jeder Wintersaison
stehen Besitzer von PC oder Konsolen vor den Regalen der Händler
und fragen sich, welches Spiel aus der unüberschaubaren Auswahl an
Wintersport-Simulationen wohl das beste ist. Allein unter den Snowboard-Games
buhlen zur Zeit gleich drei Fortsetzungen beliebter Klassiker um die Gunst
der Käufer. Das konsolenübergreifend erhältliche SSX 3
tritt gegen die Exklusiv-Titel 1080° Avalanche (Gamecube) und Amped
2 (Xbox) an. Das Spiel für die Microsoft-Konsole versucht mit zwei
Verkaufsargumenten die Konkurrenten auszustechen: hohe Realitätsnähe
und Online-Funktionalität.
Genau wie der Vorgänger unterscheidet sich Amped 2 in wichtigen
Punkten vom Großteil der restlichen trickbasierten Trendsportspektakel.
Schnelle Finger helfen wenig weiter, denn selbst die waghalsigsten Manöver
bringen kaum Punkte, wenn sie nicht im richtigen Stil gezeigt werden.
Timing heißt das Zauberwort. Durch sanftes Drücken einer
der Schultertasten oder leichtes Bewegen des linken Analog-Sticks gewinnen
die Tricks an Ästhetik, es wird aber auch deutlich schwieriger,
sicher zu landen. Amped-Neulinge werden viel Zeit investieren müssen,
bevor es ihnen gelingt, die nicht sichtbaren Wertungsrichter zu beeindrucken.
Dieses Snowboard-Spiel ist tatsächlich eher eine Simulation als
eine übertrieben actionreiche Umsetzung der Sportart. Auch wenn
die Luftakrobatik nicht so spektakulär wirkt wie in den Games der
meisten anderen Hersteller, sorgt das gut durchdachte und herausfordernde
Spielprinzip dafür, dass trotzdem bei jedem gelungenen Sprung Freude
aufkommt.
Die größte Neuerung des Games ist der so genannte Butterslide.
Mit diesem etwas kniffligen Balanceakt lässt sich die Zeit zwischen
zwei größeren Tricks überbrücken, wodurch jetzt
auch lange Kombinationen möglich sind, die mit einem wahren Punktesegen
bedacht werden.
Amped 2 bietet sowohl Einzelgängern als auch Multiplayer-Freunden
eine Vielzahl von Modi und Einstellungsmöglichkeiten. Das Herzstück
bildet die Karriere, in der ein selbst kreierter Wintersportler an die
Spitze der Weltrangliste geführt werden muss. An jedem Berg können
eine Vielzahl unterschiedlicher Aufgaben erfüllt werden, die mit
neuen Levels, Profi-Videos und Punkten zur Verbesserung der eigenen
Fähigkeiten belohnt werden. Neben der regulären Highscore
gibt es auch noch eine weitere Wertung. In regelmäßigen Abständen
stehen Fotografen an den Pisten. Nur wenn man diese virtuellen Fans
ausreichend beeindruckt, schnellt der zweite Zähler in die Höhe.
Zu den weiteren Mini-Missionen zählen besondere Tricks, mit denen
man den Abstand zwischen zwei Objekten überbrücken muss, das
Zerstören von Schneemännern und eine Reihe von Spezialabfahrten.
Erwähnenswert sind hier die Snowskate-Events, in denen das Board
nicht fest an den Füßen sitzt, was bedeutet, dass Tricks
ausgeführt werden müssen, bei denen das Sportgerät festgehalten
wird, um es nicht zu verlieren. Wie es sich für einen aktuellen
Xbox-Live-Titel gehört, gibt es gleich mehrere Online-Modi für
bis zu acht Spieler. Von einem Zeitrennen bis hin zu Kombinations- und
Punkte-Duellen ist alles vorhanden. Wer lieber offline bleibt, hat die
Möglichkeit, im Splitscreen gegen einen Freund anzutreten oder
sich im lokalen Netzwerk mit anderen Xbox-Besitzern zu messen.
Grafisch hat sich seit dem ersten Teil nicht wirklich viel getan, was
aber nicht bedeutet, dass Amped 2 mit optischen Leckerbissen geizt.
Vor allem die Größe der Berge, von denen jeder gleich mehrere
Abfahrten bietet, ist beeindruckend und auch die enorme Weitsicht sorgt
für Atmosphäre. Die Animationen sind ebenfalls gelungen und
die Tatsache, dass die trickbegleitenden Effekte eher spärlich
ausfallen, passt perfekt in das Gesamtkonzept. Der Soundtrack, der mit
eigenen Songs ergänzt werden darf, ist monströs. Zwar finden
sich unter den Künstlern keine großen Namen, aber das stört
kaum. Unter den über 300 Stücken von Independent-Interpreten
dürfte jeder Zocker etwas Passendes finden. Die Effekte innerhalb
des Games klingen realistisch, sind aber nicht sonderlich abwechslungsreich,
was aber wohl auch daran liegt, dass ein Snowboard einfach nicht viele
Geräusche von sich gibt.
Abgesehen von kleinen Rempeleien, die zwischen Boardern ausgetauscht
werden, die sich zu nah kommen, ist Amped 2 ein gewaltfreies Spiel.
Wenn misslungene Aktionen mit Stürzen oder einem unerwarteten Stopp
vor einem Stein enden, sieht das zwar so aus, als ob es im wirklichen
Leben starke Schmerzen verursachen würde, aber auf Blut oder andere
Schock-Effekte verzichtet das Game völlig. Obwohl der Inhalt sicherlich
keinen Grund darstellt, Kinder von der Software fernzuhalten, werden
Anfänger mit der Steuerung hoffnungslos überfordert sein.
Einige Erfahrungen mit dem Genre sollten auf jeden Fall vorhanden sein,
da sonst schnell Frust aufkommen kann. Ein wesentlich einsteigerfreundlicher
Genrevertreter ist beispielsweise Disney´s Extreme Skate Adventure,
das zwar keinen Online-Modus bietet und auch nicht so aufwändig
in Szene gesetzt wurde, dafür aber im Durchschnitt 15 Euro günstiger
für alle aktuellen Konsolen zu haben ist.
Fazit:
Amped 2 ist die ideale Alternative für Spieler, die eine herausfordernde
Steuerung mögen und denen die restlichen Trendsport-Games nicht
realistisch genug sind. Das Tricksystem ist zwar nur schwer zu meistern,
aber bringt nach einer entsprechenden Lernphase jede Menge Spaß.
Der Karriere-Modus hat einen ordentlichen Umfang, aber die neuen Online-Features
sowie das verbesserte Kombinationssystem sind die eigentlichen Gründe,
um den Vorgänger endgültig in den Schrank zu stellen.
GRAFIK |
SOUND |
SPIELSPASS |
ORIGINALITÄT |
TEAMGEIST |
GEWALTHALTIGKEIT |
8,5 (von 10) |
9 (von 10) |
8,5 (von 10) |
7,5 (von 10) |
3 (von 10) |
3 (von 10) |