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Deutsche Kinder- und Jugendstiftung - Schülerclubs: Kooperativ vorbereitete Umgebungen für Schülerengagement

Was ist ein Schülerclub?
Mal kurz vorbeischauen ... sehen, wer da ist ... sich zum Hausaufgaben machen verabreden ... am Computer Mails checken … die Ausstellung der eigenen Photos vorbereiten ... für ein Kickerspiel dableiben ... die Clubrat-Sitzung leiten ... einen Tischtennisschläger ausleihen ... eine Cola trinken ... Mittwochskino ... Theaterprojekt mit den Studenten der Kunsthochschule...

Das alles (und viel mehr) passiert in den ca. 3.000 Schülerclubs in Deutschland.

Schülerclubs sind...

· ... Räume an Schulen, in denen Schüler und Schülerinnen sich ausprobieren und einen Teil des Schullebens eigenverantwortlich und nach ihren Wünschen gestalten können. Die Schüler werden dabei von einer erwachsenen Person (Sozialarbeiter, Lehrer, manchmal auch Ehrenamtliche) begleitet.

· ... im Prinzip wie vorbereitete Umgebungen: Schulsozialarbeiter, Lehrer, externe Partner arbeiten zusammen, damit Schüler die oben beschriebene Verantwortungsübernahme als Chance und nicht als Überforderung erleben.

· ... Orte, an denen Begegnungen mit allen schulbeteiligten Personen möglich werden – Lehrer kommen zu einem Kaffee vorbei, Eltern fragen, ob sie den Schülerclub für ihren „Runden Tisch“ nutzen dürfen. Schülerinnen und Schüler aller Klassenstufen begegnen sich, arbeiten zusammen im Clubrat, entspannen sich oder gestalten gemeinsame Projekte.

· ... in ihren Profilen vielfältig. Kinder und Jugendliche gestalten sie gemeinsam mit Erwachsenen nach ihren Bedürfnissen. Einige Clubs sind „Schulkulturbüros“ – hier werden die Schulfeste, Kinoabende oder Begegnungen organisiert. Andere Clubs haben medienpädagogische Schwerpunkte – wieder andere sind Schülercafés.

· ... schließlich prägend für das Erscheinungsbild und die Kultur der Schule nach innen und nach außen. Einerseits geben sie Anregungen für die Gestaltung des Unterrichts, nehmen Impulse aus dem Unterrichtsgeschehen auf und vertiefen sie. Andererseits symbolisieren Schülerclubs einen Übergang zwischen Schule und deren Umfeld, indem sie Akteure aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen in die Clubarbeit einbeziehen und zu Kooperationen anstoßen. Sie tragen dadurch auch zur Außenwahrnehmung der Institution Schule in der Gemeinde bei.

Warum engagiert sich die DKJS für die Clubarbeit?
Die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) hilft dabei, dass Kinder und Jugendliche Räume eröffnet bekommen, in denen sie Verantwortung übernehmen können und dabei Unterstützung erfahren. Wenn man an echten Aufgaben und in Projekten arbeitet, selbst Entscheidungen treffen muss, mit anderen gemeinsam Probleme löst, erwirbt man Kompetenzen und Selbstbewußtsein. Aber nur, wenn immer wieder Erfolge garantiert werden: Dafür sind Schulsozialarbeiter, Lehrkräfte und andere Partner wichtige Garanten. Schülerclubs sind ein Modell dafür, an Schulen Verantwortungs- und Gestaltungsräume für Kinder und Jugendliche zu eröffnen und werden deshalb von der DKJS seit 1994 gefördert. Sie sind gleichzeitig Instrumente zur Verbesserung des Schulklimas, und wichtige Schnittstelle zwischen Schule, Jugendarbeit und dem schulischen Umfeld. In sie werden Experten aus anderen Bereichen, wie z.B. Wirtschaft, Kultur und sozialen Einrichtungen eingeladen, miteinander zu kooperieren, Lebenswelt zu gestalten und wesentliche Einsichten in das Schulleben zu erhalten.

Wie funktioniert die Kooperation zwischen Schule und Jugendhilfe in Schülerclubs?
Sozialpädagogen in Schülerclubs sind bei freien Trägern – in der Regel bei anerkannten Trägern der Jugendhilfe – angestellt. Sie sind ständig an der Schule/im Schülerclub präsent, haben mitunter einen berufsbiographisch interessanten Hintergrund (sind z.B. Künstler oder Medienpädagogen) und arbeiten nach den Prinzipien der Jugendhilfe. Bedürfnisorientierung ist dabei ein ebenso wichtiger Grundsatz wie der, Ressourcen aus dem Umfeld der Schule – beispielsweise zur Berufsorientierung oder zur Drogenprävention - zum Wohle von Kindern und Jugendlichen für sie zu erschließen. Weil Schülerclubs konkrete Orte, konkrete Projekte sind, in denen einerseits Kinder und Jugendliche „ihren“ Ansprechpartner treffen können, andererseits präzise Kooperationsthemen entstehen, die von Schulleitung, Lehrkräften und Sozialpädagogen gemeinsam erörtert werden müssen, sind Schülerclubs erfolgreiche Kooperationsmodelle. Außerunterrichtliche Projektarbeit, die einen Bezug zur schulischen hat, Hilfe bei Bewerbungen und Hausaufgaben oder Probleme von Kinder und Jugendlichen bieten Anlässe, ins Gespräch zu kommen und unterschiedliche pädagogische Ansätze sinnvoll zu ergänzen.

Sozialpädagogen in Clubs werden z.T. von Schulfördervereinen getragen und finanziert, einige werden von den Bundesländern gefördert, wieder andere von der DKJS oder anderen Partnern. In einigen Clubs sind auch Pädagogen über Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen beschäftigt – manchmal die einzig greifbare Finanzierungsmöglichkeit, jedoch immer unglücklich, weil die Anstellung zeitlich befristet und Kooperation und Vertrauen nur schwer aufgebaut werden können.
Die Modelle sind vielfältig – bedürfen aber immer einer aktiven Schule, die einen Schülerclub mit Schulsozialarbeit wirklich will.

Welche unterschiedlichen Schülerclubprogramme hat die DKJS?
Seit 1994 engagiert sich die DKJS in unterschiedlichen Programmen dafür, dass Schülerclubs ein fester Bestandteil von Schulen und somit Schnittstellen von Schule, Jugendarbeit und Nachbarschaft werden, z.B.:

- seit 1994 im Landesprogramm und Modellprojekt zur Unterstützung von Schülerclubs in Berlin,

- von 1995 –2002 im Rahmen des Programms „Schuljugendarbeit Sachsen“,

- von 2000 – 2003 im Programm „Jugend und Gemeinwesen“,

- seit 2003 im Programm „Transfer“ in Sachsen, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen und Bayern,

- seit 2003 im Programm „UnternehmenSchülerClub“ in Brandenburg und Bayern,

- seit 2001 im Programm „jugendnetz-berlin.de“.

Die Programme beziehen sich nicht nur auf unterschiedliche Regionen, sondern haben jeweils auch besondere thematische Profile: So wurden mit dem durch das BMFSFJ geförderten Programm „Jugend und Gemeinwesen“ gemeinwesenorientierte Projekte von Schülerclubs gefördert. Und mit „jugendnetz-berlin.de“ gelang erstmals eine gezielte Verbindung von Schülerclubarbeit und Medienpädagogik. Ziel von „jugendnetz-berlin.de“ war es, für Kinder und Jugendliche neue und auch in der Freizeit erreichbare Zugangsmöglichkeiten zu Informations- und Kommunikationstechnologien zu eröffnen, um Chancengleichheit zu sichern. Dabei sollten Schule und Jugendarbeit ausdrücklich kooperieren – was in Schülerclubs ideal möglich ist. Ein konkretes Beispiel:
Erfahrungsbericht eines Schülerclubbetreuers (jugendnetz-berlin.de)

Bei etwas zu lauter Musik aus der Clubanlage sitze ich mit einer Gruppe von Schülern vor dem Rechner und beschäftige mich mit dem upload von Photos und Ergebnissen eines Spendenlaufs auf die Clubwebsite. Den Spendenlauf hatte die Gruppe erst vor kurzem für ihre Partnerschule in Mosambik im Bezirk veranstaltet. Auf unserem zweiten PC müht sich mein Kollege mit Mädchen der Tanz AG, einen Rap-Teil aus einem Musikstück zu schneiden, den sie für die Choreografie ihres nächsten Auftritts nicht gebrauchen können.

„Hol doch mal einen aus der Computer AG“ ruft einer, als wir nicht weiterkommen und der Computer droht abzustürzen. Wir rufen „unseren Profi“ aus der Computer AG an. Er, der uns auch beim Seminar zum Thema Website-Erstellung unterstützte, kann helfen. Der Computer AG haben wir überhaupt einiges zu verdanken. Dank ihres freiwilligen Einsatzes und mit der Unterstützung des computerbegeisterten Lehrers konnte der Club an das Netzwerk der Schule angekoppelt werden, ohne dass der Internetzugang der Schule zusammenbrach, wie es besonders von der Schulsekretärin befürchtet wurde. Unser Vorhaben, im Schülerclub Computer und einen Internetzugang zu installieren, haben wir auf der Lehrergesamtkonferenz, an denen die Schülerclubmitarbeiter regelmäßig teilnehmen, vorgestellt und diskutiert. Mit der Installierung wurde gleich das Netzwerk der Schule mitmodernisiert, das bis dahin immer wieder seine Macken zeigte und Ursache der Befürchtungen unserer Sekretärin war.

Für unsere Arbeit erweist es sich immer wieder als günstig, dass wir Teil eines Netzwerkes von Jugendmedieneinrichtungen und Medienkompetenzzentren sind. Das Medienkompetenzzentrum Lücke in Lichtenberg hat uns beispielsweise auch bei der „Vernetzung“ unterstützt.

Im nächsten Moment werde ich von einem Schüler gefragt, ob er in der nächsten Woche wieder ein Computerspielturnier veranstalten kann. Diese Art von Veranstaltung erfreut sich, besonders bei den Jungs, größter Beliebtheit. Diesmal aber nicht, wie beim letzten Mal mit einem Autorennen, sondern mit einem beliebten Kung-fu – Spiel. Vor lauter pädagogischer Sorge verziehe ich mein Gesicht, um ihm zu signalisieren, dass Gewaltspiele bei uns im Club nicht laufen. Um meine Züge wieder zu glätten, erklärt er mir, dass „das nicht so ein Spiel mit Blut sei“ und auch keiner Altersbeschränkung unterliegt. „Okay, darüber können wir noch mal sprechen. Aber nur, wenn du versprichst, mit den Turnierbeteiligten vorher eine Diskussion über den Sinn von Altersbeschränkungen bei Computerspielen zu führen, die du leitest“ kontere ich. Jetzt ist sein Gesicht leicht verzogen, das ich wiederum mit dem Versprechen ein wenig glätten kann, ihm bei der Vorbereitung dieser Diskussion zu helfen.

Am Vormittag war es im Club noch ein bisschen ruhiger und konzentrierter gewesen. Da haben mein Kollege, Schüler der Förderklassen und ihre Klassenlehrerin an ihrem Berufsorientierungsprojekt gearbeitet. Die Lehrerin hatte uns angesprochen, ob wir in dem Bereich „nicht mal etwas mit ihren Kids machen können“. Für die tägliche Arbeit im Club stimmen wir uns in regelmäßigen Gesprächen mit den Schulsozialpädagogen und der Schulleitung über Inhalte und Zielstellungen ab. In den Förderklassen werden Schüler nichtdeutscher Herkunftssprache auf die Eingliederung in die Regelklassen der Schule vorbereitet. Mit der deutschen Sprache hapert es bei einigen natürlich noch ein bisschen. Das schmälert aber nicht ihre Fähigkeit, schon nach kurzer Zeit im Internet surfen oder Bilder, die sie von sich mit der Digitalkamera gemacht haben, in ein persönliches Profil mit ihren Stärken und Wünschen einfügen zu können. Statt im normalen Unterricht zu sitzen, recherchieren sie im Internet nach möglichen Berufsfeldern, in denen diese Stärken, besonders ihre interkulturellen Kompetenzen, vorteilhaft eingebracht werden können. Unterstützt werden sie dabei von einem Studenten der Informatik und von Mitgliedern des Vereins Integrationet e.V., der sich schwerpunktmäßig um die Berufsorientierung von Jugendlichen russischer Herkunft kümmert. Besonders gefreut haben wir uns, dass die Bezirksbürgermeisterin Frau Christina Emmrich sich bereit erklärt hat, die Schirmherrschaft für dieses Projekt zu übernehmen und wir dadurch die Ergebnisse in geeigneten Veranstaltungen anderen Jugendlichen im Bezirk zugänglich machen können.

 


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