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Schierl, Thomas: Text und Bild in der Werbung. Bedingungen,
Wirkungen und Anwendungen bei Anzeigen und Plakaten. Herbert
von Halem-Verlag, Köln 2001,
ISBN 3-931606-31-7, 289 S., 34, f
Knieper, Thomas/
Müller, Marion G.: Kommunikation Visuell. Das Bild als
Forschungsgegenstand. Grundlagen und Perspektiven. Herbert
von Halem-Verlag, Köln 2001,
ISBN 3-931606-41-4, 283 S., 34, f
Seit längerem wird in den Geisteswissenschaften eine
kulturelle Wende zum Bild hin diskutiert, und ein wachsender
sozialer Einfluss von Bildern wird angenommen. Die Bedenken
und Befürchtungen gegenüber visueller Kommunikation
werden aber ebenfalls zunehmend thematisiert. Das Bild rückt
so in den Untersuchungsfokus. Zu diesem Thema sind im Herbert
von Halem-Verlag zwei Bücher erschienen, eine Monographie
von Thomas Schierl und ein Sammelband, hrsg. von Thomas Knieper
und Marion G. Müller, mit Aufsätzen von Autoren
aus unterschiedlichen Fachrichtungen.
Schierl versteht Text und Bild als die grundlegenden Gestaltungsmittel
massenmedialer Kommunikation und somit auch der Werbung. Im
Zentrum steht die Frage des Verhältnisses dieser Gestaltungsmittel
zueinander und ihr Einsatz in der Werbung.
Zunächst setzt sich der Autor mit der Anzeige als ursprüngliches
Werbeinstrument auseinander, um anschließend die Entwicklung
von Inseraten und Plakaten aufzuzeigen. Dabei wird anschaulich
dokumentiert, wie sich die jeweiligen gesellschaftlichen Normen
und Werte in Anzeigen widerspiegeln - Werbung als Indikator
gesellschaftlichen Wandels. Die Produktion von Aufmerksamkeit
kennzeichnet Schierl als Grundvoraussetzung der Werbewirkung
und der damit verbundenen und gewollten emotionalen Involviertheit
des Betrachters. Im Anschluss an diesen Zusammenhang stellt
Schierl Wahrnehmungs-, Erstehens- und Speicherungsprozesse
als wichtigste Schritte innerhalb der Werbekommunikation dar.
Am Ende steht eine kleine Untersuchung, in der Text und Bild
aus der Werbepraxis nach der Häufigkeit ihres Vorkommens
miteinander verglichen und interpretiert werden.
Der Autor appelliert an die heutige Werbewirtschaft, wenigstens
den Versuch zu unternehmen, Kreativität und Originalität
in der Werbung zu wagen. Schierl macht deutlich, dass sich
die Werbebilder immer mehr gleichen. Zudem versuchten immer
mehr Agenturen, durch stetig provokantere Bildmotive die Aufmerksamkeit
des Betrachters zu gewinnen. Schierl vermutet skeptisch, dass
Werbemacher scheinbar mehr nach Gefühl als nach
Regeln Werbung konzipierten. Er kritisiert, dass Werbegestalter
viel zu wenig von der Kommunikationswirkung verstünden
und sich zudem davor verschlössen. Es würden schon
fast banal zu bezeichnende Erkenntnisse der akademischen wie
angewandten Werbeforschung in immer noch unzureichendem Maße
beachtet. Die gebräuchliche Art der Kombination
von Text und Bild verdeutliche, dass die unterschiedlichen
Wirkungspotenziale dieser beiden Gestaltungsmittel mit ihren
jeweiligen Vorteilen kaum erkannt werden. So kommt der Autor
zu dem Ergebnis, dass in unserer Gesellschaft der Schriftlichkeit
die Macht der Bilder immer noch unterschätzt und folglich
der piktoralen Kompetenz zu wenig Beachtung geschenkt werde.
Da der Autor den Versuch unternimmt, dem Leser eine weitgespannte
Darstellung von Bedingungen, Wirkungen und Anwendungen zu
bieten, hat er zum Beispiel auch Erkenntnisse der Neurophysiologie
mit einbezogen. Doch gerade diese Exkurse sind eher unverständlich
formuliert. Darum wäre es vielleicht sinnvoll gewesen,
diese Erkenntnisse, anstatt sie erklären zu wollen, nur
zu erwähnen. Davon abgesehen ist der Band klar strukturiert
und vermittelt eine gute Übersicht über das Thema.
Die Autor/innen der Aufsatzsammlung Kommunikation Visuell
kommen zu einem ähnlichen Schluss, wie Schierl (der hier
ebenfalls mit einem Beitrag vertreten ist). Tenor dieses Bandes
ist, dass die "deutschsprachige Kommunikationswissenschaft
immer noch von dem textlichen Paradigma dominiert" wird.
Die Autoren vertreten übereinstimmend die Meinung, dass
visuelle Kommunikation nicht nur sprachlichen, sondern auch
eigenen, visuellen Kriterien folge. Um die Wirkung der Bilder
weder zu über- noch zu unterschätzen, sei es deshalb
unabdingbar, das Bild stärker in die wissenschaftliche
Diskussion zu rücken.
Die Sammlung umfasst 17 Texte und gliedert sich in drei Teile.
Die Autoren kommen aus unterschiedlichen Disziplinen der Publizistik,
Journalistik, Soziologie, Politik-, Medien- und Kommunikationswissenschaft.
Im Zentrum des ersten Kapitels stehen die basalen Begrifflichkeiten
und Bedeutungen, entsprechend wurde es mit Bildlichkeit:
visuell, virtuell, visionär?" tituliert. Im zweiten
Teil finden sich verschiedene Ansätze zur Wirkungsanalyse
des Visuellen. Hier geht es hauptsächlich um Aspekte
von Politik und Werbung. Die Beiträge des letzten Abschnitts
beschäftigen sich differenziert mit den Produktionsbedingungen
visueller Kommunikationsprodukte und der Perspektive der Produzenten.
Fotografie, Zeitung, Fernsehen und vor allem die politische
Karikatur wurden hier unter die Lupe genommen.
Die Beziehung zwischen dem Visuellen und Politik steht in
diesem Sammelband im Vordergrund. Obwohl der Titel des Buches
eine weitergefasste Darstellung von dem Bild als Forschungsgegenstand
vermuten ließe, werden Neue Medien kaum thematisiert.
Dennoch stellt die hier versuchte fundierte Auseinandersetzung
einen wichtigen Beitrag zu einer fälligen Debatte dar.
Sonja Ganguin
Hessische Landesanstalt für privaten Rundfunk (Hrsg.):
Projektgeschichten Offene Kanäle im Jahr 2000.
KoPäd Verlag, München 2001,
ISBN 3-935686-54-4, 93 S., 12,00 f
Diese Projektgeschichten bieten Einblicke in die unterschiedlichsten
Arbeitsweisen von Offenen Kanälen. Da geht es z.B. um
ein Videocamp mit Jugendlichen, um die Nutzung der Trick Boxx
des Kinderkanals, die Zusammenarbeit mit Hochschulen und vieles
mehr. Dabei wird deutlich, welche Voraussetzungen für
solche Projekte gegeben sein müssen, was alles bei der
Planung beachtet werden muss, welche Schwierigkeiten auftreten
können und wie man sie meistern kann. Das Buch kann somit
auch als Leitfaden für all diejenigen verstanden werden,
die Medienprojekte planen und durchführen.
Geschrieben sind die einzelnen Berichte von den Projektleiter/innen,
wodurch ein persönlicher Zugang ermöglicht wird.
Durch die verschiedenen Autor/innen ist das Buch von unterschiedlichen
Schreibstilen geprägt. Sie reichen von eher trocken bis
hin zu witzig und anschaulich. Dies kann man sicherlich als
Vorteil sehen, da so die verschiedenen Präferenzen der
Leser/innen angesprochen werden. Nicht verständlich ist
jedoch die Anordnung der einzelnen Beiträge. Sie sind
offensichtlich nicht nach Themen geordnet.
Trotz dieser Schwäche sind diese Projektgeschichten lesenswert,
da sie einen sehr schönen Einblick in die Projektpraxis
Offener Kanäle geben.
Maja Schmeding
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