Lebenswelten Medienwelten

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Die tragischen Ereignisse von Erfurt haben in Deutschland eine neue Diskussion zur Mediengewalt und deren Verarbeitung durch Kinder und Jugendliche angeregt – auch wenn vielleicht voreilig auf die Medien gezeigt wird, ist doch ein breiter öffentlicher Diskurs zu diesem Thema sehr wichtig.

Gesetzesverschärfungen, ob sie nun den Jugendschutz oder den Sportwaffenbesitz betreffen, haben aber wenige Effekte, wenn nicht Medienerziehung und gewaltfreie Erziehung einen hohen Stellenwert in unserer Gesellschaft erhalten.

In dieser Ausgabe von .nexum setzen wir uns mit Medienerziehung im Kindergarten auseinander. Dass diese bereits dort beginnen muss, darüber herrscht in der Fachöffentlichkeit heute schon nahezu Konsens. Dies ist noch nicht lange so, wollte doch die sogenannte „Bewahrpädagogik“ lange Zeit Medieneinflüsse von den Kindern fernhalten und den Kindergarten als medienfreien Raum bewahren.

Doch mittlerweile hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass diese geschützten Welten nichts mit unserer gesellschaftlichen Realität zu tun haben. Heute gilt: Lebenswelten von Kindern sind Medienwelten, und diese sind fester Bestandteil familiärer Lebenswelten. Vorschulische Erziehung blendet somit einen wichtigen Teil gesellschaftlicher Realität aus, wenn sie sich nicht mit dem Medienthema befasst.

In einer Fortbildungsinitiative in Nordrhein-Westfalen bietet die GMK im Auftrag des Ministeriums für Frauen, Jugend, Familie und Gesundheit NRW und der Landesanstalt für Rundfunk NRW seit 1999 eine berufsbegleitende Fortbildung für MitarbeiterInnen und LeiterInnen von Kindertagesstätten an, die auf große Resonanz stößt.

Die erste Projektphase zeigte bereits deutlich, dass viele ErzieherInnen interessiert sind, medienpädagogische Fragen in den Kindergartenalltag einzubeziehen. Und: Arbeit mit den neuen Medien in Kindereinrichtungen führt zu erstaunlich kreativen Prozessen und interessanten Medienprodukten.

Ich wünsche Ihnen eine interessante Lektüre

Ihr

Jürgen Lauffer