Keine Angst vor Dragonball
Sabine Eder (NRW-Projekt Medienerziehung im Kindergarten) über ihre Erfahrungen mit medienpädagogischen Fortbildungen für Kita-Erzieher/innen

Wie motivieren Sie Erzieherinnen und Eltern, medienpädagogisch zu handeln?
Im Rahmen von Fortbildungen und Elternabenden benötigen Eltern und Erzieher/innen Raum, um ihre Fragen und auch Ihre Nöte rund um die Medien und die Medienerziehung loszuwerden. Es ist sehr wichtig, diese aufzugreifen und zu bearbeiten. Oft gilt es auch, die Befürchtung (bei einigen Eltern auch die Erwartung) zu entkräften, dass nun statt Freispiel oder Naturerkundungen schulisch anmutende Computerkurse in den Kindergarten einziehen. In unseren Seminaren gehen wir von der Medienbiografie der Teilnehmer/innen aus: was bereitete ihnen als Kind Ängste oder auch Spaß?

Welche medialen Präferenzen haben sie heute?

Unser Ziel ist es, auch bei problematischen oder umstrittenen Filmen wie Dragonball die Erwachsenen dazu anzuhalten, sich auf die Ebene der Kinder zu begeben, um ihrer Faszination (oder auch Ablehnung) eines bestimmten Mediums nachzugehen. Eltern und Erzieher/innen können erfahren, dass die Beschäftigung mit den medialen Welten der Kinder einen Schlüssel zu ihrer Weltsicht, zu ihren Bedürfnissen, Leidenschaften, ihren Sorgen und ihrem Humor bietet. Sinnvoll ist hierfür, gemeinsam die Beobachtungsfähigkeit zu stärken, Kriterien der differenzierten Beurteilung von Kindermedien zu entwickeln. Auch die Kinder selbst können auf diese Weise Neugier und Kompetenzen ausbauen. Unsere Erfahrungen haben gezeigt, dass schon Fünf- und Sechsjährige in der Lage sind, gemeinsam in der Kleingruppe Kriterien für brauchbare Software zu entwickeln.

Wie sieht es mit der aktiven Medienarbeit in Kitas aus?

Wir zeigen, wie bereits im Kindergartenalter aktiv und spielerisch mit Medien gearbeitet werden kann. Ohne riesigen Aufwand können Kindergartenkinder kurze einfache Trickfilme drehen, einfache Hörspiele inszenieren oder mit dem Fotoapparat auf Motivsuche gehen. Im Rahmen der Fortbildung erfahren Erzieher/innen, wie sie Audio, Video, Fotografie oder Computer gelegentlich oder als umfassendes Projekt in die lebensnahe Arbeit im Kindergarten einbeziehen können.

Welches sind die Voraussetzungen dafür, dass medienpädagogische Projekte zu Erfolg und Vergnügen führen?

Erzieher/innen benötigen Qualifizierung und handhabbare, an ihren Arbeitsalltag angepasste Methoden aus der Praxis (siehe Buchtipp). Spaß und kreative Neugier sind dabei unverzichtbar. Es ist auch wichtig, die Ängste vor der Technik abzubauen, was bedeutet, dass wir individuell auf die einzelnen Teilnehmer/innen eingehen und den Austausch untereinander fördern. Niemand braucht bei uns schweißnasse Hände zu bekommen, wenn ein Gerät mal nicht so funktioniert, wie es sollte. Viele Projekte sind schon mit relativ einfachen Mitteln (Fotoapparat und Kassettenrekorder) machbar, doch um nachhaltig auch mit neuen Medien arbeiten zu können, mangelt es in vielen Einrichtungen an Ausstattung. Hier könnten unter anderem auch Netzwerke aktiv werden und Geräte oder auch Know How für die Projekte in den Kitas zur Verfügung stellen. Last but not least ist es natürlich wichtig, auch die Träger der Einrichtungen für die Förderung von Medienkompetenz zu begeistern.

Das Gespräch führte Renate Röllecke.



Literaturempfehlungen

Sabine Eder, Jürgen Lauffer, Carola Michaelis (Hrsg.): Bleiben Sie dran! Medienpädagogische Zusammenarbeit mit Eltern –
Ein Handbuch für Pädagog/innen, Bielefeld, GMK 1999, 304 S. ISBN 3-929685-19-1 (oder über die GMK-Geschäftsstelle), 11 Euro

Sabine Eder, Susanne Roboom: Video, Compi & Co. Projektbeispiele aus der Praxis für die Praxis über den Einsatz von Medien in der Kita, GMK 2002, ISBN 3-929685-32-9, 11 Euro erscheint in Kürze, Vorbestellung möglich

Mit der berufsbegleitenden Fortbildung Medienerziehung im Kindergarten werden zum zweiten Mal 150 Erzieher/innen in Nordrhein-Westfalen qualifiziert. Die Maßnahme wird von der GMK in verschiedenen Städten und Regionen angeboten. Auftraggeber sind das Ministerium für Frauen, Jugend, Familie und Gesundheit des Landes NRW und die Landesrundfunkanstalt (lfr). Leiterinnen sind Sabine Eder und Susanne Roboom vom Blickwechsel e.V.
Weitere Infos unter www.gmk-net.de und unter www.kindergarten.medienpaed.de Direkter Kontakt über fortbildung@medienpaed.de; oder das Projektbüro: 0551.703765 (Sabine Eder).
 
 
 
   
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