Ben Bachmair - Der Pädagoge als Gärtner? Sylvia Näger – It´s really magic Norbert Neuss - Mit offenen Augen und Ohren

Maja Schmeding

Schatzkammern der Poesie


Bei der Beschäftigung mit der Bedeutung neuer Medien für Kinder geraten bisweilen die guten alten Medien aus dem Blick: Bilderbücher und Erzählungen. Gute Geschichten sind gut für Kinder, nicht nur aus pädagogischen Gründen, sondern weil sie Schatzkammern der Poesie sind. Bücher lassen sich nicht konsumieren. Man lebt in ihnen und sie leben in einem: ein durchaus interaktives Verhältnis. Maja Schmeding stellt ihre Lieblingskinderbücher vor.

• Blake, Jon/Scheffler, Axel: He Duda! Beltz & Gelberg, Weinheim und Basel 1992, ISBN 3-407-80395-8, 12,90 _
Er heißt He Duda und weiß nicht, wer er ist. Also beobachtet er die anderen Tiere und beschließt, auf einem Baum zu wohnen und Eicheln zu fressen so wie die Eichhörnchen. Eines Tages kommt Lange Luda, das Wiesel. Sie klärt He Duda darüber auf, daß er ein Kaninchen ist und dass sie ihn fressen will. Da weiß He Duda auf einmal, wozu er seine langen Beine hat, und vertreibt Lange Luda. Jetzt jubeln alle Kaninchen He Duda zu und rufen „Du bist ein Held He Duda!“. He Duda versteht die Welt nicht mehr, gerade dachte er doch noch, er wäre ein Kaninchen…
Ein schön gezeichnetes Bilderbuch, das zum Lachen anregt.

• Ross, Tony: Die kleine Prinzessin. Ich will meinen Schnuller! Baumhaus-Verlag Frankfurt am Main, Zürich 2001,
ISBN 3-8315-0301-X, 5,95 _ (Pappband)
Die kleine Prinzessin hat einen Schnuller, und den liebt sie über alles. Aber alle, denen sie begegnet, finden, dass sie schon zu alt für einen Schnuller ist, und auf merkwürdige Weise verschwindet der Schnuller immer wieder. Doch die kleine Prinzessin weiß, was sie will, nämlich ihren Schnuller! Und so setzt sie sich doch jedesmal durch und findet ihren Schnuller immer wieder. Aber dann trifft sie auf den kleinen Prinzen, und der findet Schnuller blöd. Ganz plötzlich findet auch die kleine Prinzessin Schnuller doof, und der Schnuller gehört ja auch gar nicht ihr, sondern Teddy!

• Lenain, Thierry/Poulin, Stéphane: Kein Kuss für Tante Marotte. Altberliner Verlag, Berlin, München 2000,
ISBN 3-357-00940-4, 12,70 _
In die Schule kommt eine Frau und erzählt den Kindern, dass der Körper einem ganz allein gehört und niemand etwas damit machen darf, was man nicht will. Fortan will das kleine Mädchen ihre Tante Marotte nicht mehr küssen. Mama ärgert das zwar zuerst, aber nachher sieht sie doch ein, dass ihre Tochter recht hat. Frech gezeichnet und keck geschrieben. Kein typisches niedliches Bilderbuch und genau deshalb so schön.

• Larrondo, Valérie/Desmarteau, Claudine: Als Mama noch ein braves Mädchen war. Bajazzo Verlag, Zürich 2001, ISBN 3-907588-25-8, 10 _
Mama erzählt davon, wie es war, als sie ein kleines Mädchen war. Da war sie immer brav, hat immer aufgeräumt, auf ihre Eltern gehört, war nett zum kleinen Bruder und, und, und. Die Zeichnungen zeigen allerdings ein etwas anderes Bild: Mama war überhaupt nicht brav, hat nie aufgeräumt, nicht auf ihre Eltern gehört, den Bruder geärgert. Mama ist halt auch nicht besser als ihre Kinder.

• Bauer, Jutta/Boie, Kirsten: Juli und das Monster. Beltz & Gelberg, Weinheim und Basel 1995/2000, ISBN 3-407-79162-3, 12,90 _
Juli ist eigentlich schon groß, und trotzdem macht er sich im Kindergarten in die Hose. Er kann nämlich nicht aufs Klo gehen, weil da ein Monster wohnt, das ihn immer erschreckt. Aber Katrin verrät ihm den Trick, mit dem sie das Monster verscheucht hat: einfach auf den Kopf pinkeln, das mag es gar nicht. So wird Juli das Monster los und kann endlich in Ruhe aufs Klo gehen.

• Curtis, Jamie Lee: Erzähl nochmal, wie wir eine Familie wurden. Verlag Riesenrad, Hamburg 2000, ISBN 3-933697-95-6, 12,90 _
Das Kind möchte immer und immer wieder die Geschichte hören, wie seine Familie eine Familie wurde. Eigentlich kennt es die Geschichte in- und auswendig, schließlich ist es seine Geschichte, aber es liebt es sie zu hören. Von der Nacht, in der es geboren wurde, und wie seine neuen Eltern kamen, um es zu holen…
Eine schöne, gar nicht kitschige Geschichte über Adoption und Familie.




Maja Schmeding studiert Diplom-Pädagogik mit Schwerpunkt Medien- und Kommunikationsberatung an der Technischen Universität Braunschweig und ist Sammlerin von Kinderbüchern.