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Film und Fernsehen verstehen
Der Titel des Buches »Film- und Fernsehanalyse« von Lothar Mikos lässt einen nicht sofort aufhorchen, denn Analysehilfen zu verschiedensten Themen gibt es zur Genüge. Allerdings verspricht der Autor ein Lehrbuch, das »theoretisches Rüstzeug und methodisches Handwerkszeug für die systematische Untersuchung von Filmen und Fernsehsendungen zur Verfügung stellt«.


Wichtig ist ihm dabei, Film und Fernsehen als Kommunikationsmedien zu verstehen, um die Analyse »funktional im Rahmen der Kommunikationsprozesse zu betrachten«.
Dieser Unterschied zu anderen Lehrbüchern ist vielversprechend. Durch Mikos eigene systematische Vorgehensweise, die Analysetechnik dem Leser zu vermitteln, gelingt es ihm, sich dem Tempo des Lesers anzugleichen. Er vergisst dabei nicht, den Unterschied zwischen einer Analyse und einer Beschreibung oder einer Interpretation darzulegen. Auch der gravierende Unterschied zwischen Film und Fernsehen wird verdeutlicht. Interessant ist der Ausblick auf die sogenannten Neuen Medien. Ein Film wie »Blair Witch Project« zum Beispiel hätte ohne seinen begleitenden Internetauftritt nicht diese Authentizität erzeugt. Der Übergang von der wissenschaftlichen Theorieerschließung zu fachspezifischen Erklärungen des Handwerks der Film- und Fernsehmacher/innen (mit anschaulichen Erläuterungen der technischen Mittel, wie Kamera, Licht, Schnitt und Montage, Ausstattung, Ton, Musik und Spezialeffekte) ist dank der inhaltlichen Struktur fließend. Die Beispielanalysen am Schluss sind somit einleuchtend. Das Buch ist eingeteilt in vier Abschnitte: Theorie und Methodik, Filmund Fernsehanalyse, Beispielanalysen und Anhang. Die einzelnen Kapitel in den jeweiligen Teilen schließen mit einem Fragenblock ab, der dem Leser behilflich ist, das Gelesene nochmals für sich zu wiederholen. Die übersichtliche Einleitung hilft dabei, gesuchte Themen auf Anhieb zu finden, sodass man das Buch jederzeit als Werkzeug zu einer Filmoder Fernsehanalyse benutzen kann. Lothar Mikos ist es somit gelungen, sein Versprechen zu halten, mit seinem Buch »theoretisches Rüstzeug und methodisches Handwerkszeug« zu liefern, ohne dabei weder sein Anliegen zu vernachlässigen, die Analyse mit Kommunikationsprozessen zu verknüpfen, noch dabei zu vergessen, dass der Leser ihm dabei folgen können muss.


Melanie Maltese

Lothar Mikos; Film- und Fernsehanalyse.
UVK Verlags-gesellschaft mbH, Konstanz 2003.
ISBN 3-8252-2415-5, 361 S.

Pädagogik zum Aufrichten
Wissenserwerb ist keine Frage des Alters oder der Lebensphase mehr, Lernprozesse finden lebenslang statt und jedem und jeder einzelnen fällt die Verantwortung für die eigene Lern-Perspektive selbst zu. Lernen findet auch nicht mehr unabhängig von Computer und Internet statt, die kompetente Nutzung der Neuen Medien ist längst eine wichtige Schlüsselqualifikation geworden. Diese Einsicht bildet einen der Grundgedanken für das Buch »Pädagogik der Navigation – Selbstgesteuertes Lernen durch Neue Medien« von Franz Josef Röll. Selbstgesteuertes Lernen ist für Röll unter anderem eine adäquate Antwort auf die Anforderungen der Wissensgesellschaft, einer Gesellschaft, mit der eine Stärkung des Eigenverantwortlichkeitsprinzips einhergeht.
Lernende werden selbst zu Navigatoren des Lernprozesses. In zwölf Kapiteln führt Röll von begrifflichen Abgrenzungen (Begriffsanalyse »Wissen«, Wissensgesellschaft und Informationsgesellschaft) über theoretische Grundlagen (Veränderung von Wahrnehmen und Denken, Identität und Lernen im Medienzeitalter, Lernen in der Wissensgesellschaft) zu Projektbeschreibungen aus der Praxis in Kindergarten, außerschulischer Bildung, Schule und Hochschule. Als entscheidende Voraussetzung für einen notwendigen »educational turn« entwirft Röll im zwölften Kapitel anhand der zuvor entwickelten Gedanken ein reformpädagogisches Szenario, das auf die Vision »Lernspaß « hinausläuft. Röll benennt unter anderem zwei Problem-Faktoren der gegenwärtigen Bildungslandschaft: zum einen die bloße Orientierung auf Faktenwissen, zum anderen die herkömmlichen hierarchischen Lehr-Lernstrukturen. Dem stellt er eine Umorientierung von purem Fachwissen (welches wichtig bleibt!) zu abstraktem Denkvermögen, Systemdenken, einer experimentellen Haltung zur Welt und der Fähigkeit zur Zusammenarbeit gegenüber. Es ist nicht mehr entscheidend, woher notwendiges Fachwissen kommt und wie es erworben wird, wichtiger ist es, dieses Wissen effektiv und kreativ in kooperativen Arbeitsprozessen aktualisieren zu können. Der hierarchischen Kultur des »Unter-richtens« setzt Röll eine Pädagogik des »Auf-richtens« entgegen. Aufrichten bedarf einer egalitären Lernumgebung, Lernende können Kompetenzen also auch an (primär) Lehrende vermitteln. Es fragt sich allerdings, inwieweit eine egalitäre Lernumgebung nicht ein Trugbild darstellt. Die Metapher des Auf-richtens beinhaltet ja bereits ein unausgewogenes Verhältnis zweier Partner, bis hin zur geradezu physischen Überlegenheit des einen über den anderen. Egalität zwischen Partnern würde indessen ein gleiches Kompetenz- und Qualifizierungsniveau voraussetzen. Anleitung zum selbstgesteuerten Handeln soll nach Röll Pädagogik im herkömmlichen Sinne ablösen. Zukünftige Pädagoginnen und Pädagogen, dies lehrt das Buch, werden ein Selbstverständnis als ›Lernhelfer‹ zu entwickeln haben und die eigene Methodenkompetenz erweitern müssen.

Maraike Sörensen

Franz Josef Röll: Pädagogik der Navigation. Selbstgesteuertes Lernen durch Neue Medien, kopaed, München 2003,
ISBN: 3-935686-51-X, 19,80 Euro

 
 
 
   
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