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Media
Art
meets
Media Education
von Horst
Niesyto
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| Fotocollage: Peter
Holzwarth |
1995 war ich auf einer Konferenz- und Vortragsreise in Kalifornien
unterwegs. In Los Angeles lernte ich Gina Lamb kennen. Sie arbeitete
als Medienkünstlerin und Medienpädagogin in verschiedenen
Projekten im Großraum LA. Mich begeisterte, wie sie mit
Jugendlichen video documentaries, video diaries und Multimedia-Produktionen
erstellte. »Bevor wir mit der eigentlichen Praxisarbeit
anfangen, schauen wir uns zunächst einmal die Arbeit von
Künstlern an, die entweder sprachliche oder visuelle Poesie
bei ihren Videoproduktionen verwenden. Ich versuche, eine Vielfalt
von Methoden zu zeigen, wie Künstler das Medium Video einsetzen,
um sich selbst auszudrücken. Das unterscheidet sich meistens
stark von dem, was Schüler jemals zuvor gesehen haben (…)
Ich versuche, viele junge Künstler einzubeziehen, mit denen
sich die Jugendlichen identifizieren können, die dann auch
ihre eigenen Arbeiten erklären« (1).
Welche neuartigen Wahrnehmungsformen und
Möglichkeiten zur Perspektivenerweiterung eröffnen
digitale Bildästhetiken?
Gina Lamb entschloss sich, im internationalen Projekt »VideoCulture«
mitzuwirken. Nicht zuletzt die Zusammenarbeit mit ihr inspirierte
mich, eine Veranstaltung »Media Art meets Media Education«
vorzuschlagen. Diese findet nun vom 21.- 23. November 2003 an
der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam als Jahresforum
2003 der GMK statt.
In Deutschland gibt es bislang wenige Berührungspunkte
zwischen Medienpädagog/innen und Medienkünstler/innen.
Man arbeitet weitgehend nebeneinander her. Vielen Medienpädagog/innen
sind Medienkünstler/innen zu »elitär«,
ihre Kunstproduktionen zu »abgehoben «. Umgekehrt
ist von Medienkünstler/-innen oft zu hören, dass sie
eine Instrumentalisierung von Kunst für pädagogischdidaktische
Zwecke befürchten. Weshalb also eine Zusammenarbeit von
Medienkunst und Medienpädagogik? Sind die Bereiche nicht
zu unterschiedlich, die Berührungspunkte zu gering? Ich
denke, dass es im Interesse von Kindern und Jugendlichen liegt,
die Kontakte zwischen beiden Bereichen zu verstärken. Es
gibt gute Gründe, sich auszutauschen und in Projekten zusammenzuarbeiten.
Medienkritik:
Reflexion und selbstbewusster Umgang mit Medien
In einer Zeit enormer medientechnologischer Innovationen kommt
es darauf an, jenseits medienpessimistischer Szenarien und medienoptimistischer
Mythen gesellschaftliche Medienentwicklungen kritisch zu beobachten
und zu bewerten. Beispiel: Bildmedien. Die heutigen Machteliten
operieren visuell. Mediale Wahrnehmung ist omnipräsent.
Gedächtnis und Erinnerung werden entscheidend durch massenkulturelle
Bildmedien geprägt. Video- und Medienkunst setzen sich
mit dem weltweiten Wandel durch populäre Bildsprachen auseinander
und experimentieren mit neuen Bildformen, um aus künstlerischer
Perspektive medientechnologische Innovationen selbstbewusst
zu nutzen. Die kritische Auseinandersetzung mit Bildmedien sollte
viel stärker im Fokus pädagogischer Anstrengung sein:
Was für Wirklichkeitsaspekte repräsentieren Bilder?
Wie beeinflussen sie unsere Wahrnehmung und Erfahrung von Wirklichkeit?
Welche neuartigen Wahrnehmungsformen und Möglichkeiten
zur Perspektivenerweiterung eröffnen digitale Bildästhetiken?
Mediengestaltung:
Ästhetische Erfahrung und symbolischer Selbstausdruck
Medienpädagogik und Medienkunst betonen beide die Relevanz
ästhetischsymbolischer Ausdrucksformen. Vielfältige
Erfahrungen in der Medienpädagogik zeigen, dass der Schritt
von der kritischen Rezeption zur aktiven Produktion mit Medien
entscheidend für ein tieferes Verständnis medialer
Gestaltungsprinzipien ist. Kinder und Jugendliche greifen dabei
auf medienkulturelle Vorlieben zurück, um eigene Ausdrucksabsichten
zu inszenieren. Die Verarbeitung der symbolischen Umwelt vollzieht
sich immer im Spannungsfeld von gesellschaftlichen Mediensymboliken
und subjektiven Aneignungsleistungen. Der symbolische Selbstausdruck
mit Medien ermöglicht ästhetische Erfahrungsprozesse,
die sich mit den Stichworten Selbst- und Fremdwahrnehmung, Differenzerfahrung,
symbolisches Probehandeln, Persönlichkeitsbildung umschreiben
lassen. Medienpädagog/innen unternehmen große Anstrengungen,
um gegenüber einem technisch-instrumentell verkürzten
Verständnis von Medienkompetenz Konzepte und Projekte einer
aktiv-produktiven Medienarbeit zu entwickeln. Nach wie vor werden
jedoch Möglichkeiten künstlerischer Gestaltungsweisen
zu wenig genutzt. Foto-, Film-, Video- und Medienkunst verfügen
über ein reichhaltiges Repertoire von Ausdrucksformen,
die noch viel zu wenig Eingang in die Ausbildung und die praktische
Tätigkeit von Medienpädagog/ innen gefunden haben.
Ästhetische Ereignisse sind nicht
planbar.
Soziokulturelle Einbettung
Die Auseinandersetzung mit medialen Gestaltungsmitteln, symbolischen
Bedeutungen, Rezeption und Produktion von Medien ist stets in
den jeweiligen sozialen und kulturellen Kontext der Menschen
eingebettet. Unterschiedliche soziokulturelle Prägungen,
Ressourcen, Gemeinschaftserfahrungen erfordern differenzierte
Konzepte. Viele Pädagog/ innen sind noch zu sehr in einer
Symbolsozialisation.
Prof.
Dr. Horst Niesyto ist Leiter der Abteilung Medienpädagogik
am Institut für Erziehungswissenschaft an der Pädagogischen
Hochschule Ludwigsburg und Mitglied im Bundesvorstand der GMK.
»@
Generation – Art & Media«
Die Europäische Kommission
fördert das Projekt »@Generation – Art
& Media«, das die künstlerische und kreative
Auseinandersetzung junger Leute (16 – 25 Jahre)
mit Medienkunst und den kompetenten Umgang mit digitalen
Medien und Technologien fördert. In Seminaren und
Workshops sollen rund 200 Jugendliche und Multiplikatoren
Medienkunstwerke mit digitalen Werkzeugen gestalten. Zusätzlich
werden regelmäßige Kunstworkshops, die in den
europäischen Partnereinrichtungen auf lokaler Ebene
durchgeführt werden, organisiert. Die Jugendlichen
haben die Möglichkeit, sprachliche und soziale Kompetenzen
zu erwerben, die zu einer interkulturellen Kommunikation
beitragen. Teilnehmende Partnerorganisationen sind der
Offene Kanal TV – Münster aus Deutschland,
der Reichsverband der Offenen Kanäle in Schweden,
die Fundcia Nowystaw in Polen (Lublin) und die Medienhochschule
in Norwegen (Kristiansand). Info: www.youth4media.com
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