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Dieter Wiedemann (Hrsg.): Die rechtsextreme Herausforderung
Jugendarbeit und Öffentlichkeit zwischen Konjunkturen und Konzepten

Mediendiskurse unterliegen Konjunkturen und - so darf man annehmen - bestimmen sie auch. Noch liegt keine Untersuchung darüber vor, ob die Anzahl rechtsextremer Straftagen zurückgegangen ist, nachdem unter dem Druck die Verhältnisse die Fragen von Terror und Krieg ins Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit gerückt sind. Oder ob die fremdenfeindlichen Exzesse im Osten wie im Westen dieser Republik unvermindert weitergehen und bloß im grellen Licht von New York und Kabul verblasst sind. Als sicher muss leider gelten: Der Rechtsextremismus ist nicht erledigt, er existiert fort und ist und bleibt ein gesellschaftliches Problem. Und damit ein Fall für die Öffentlichkeit sowie, in Anbetracht des Alters vieler Rechtsextremer, für die Jugendarbeit. Beide, Medien und Pädagogik, sind noch auf der Suche nach den rechten Konzepten gegen die Rechte, und solange keine wirksamen Rezepte gefunden sind, erscheinen beide wie im Spagat: die Jugendarbeit zwischen Akzeptanz und Sanktion, die Medien zwischen Sensation und Aufklärung. Um beide Problemfelder geht es in diesem Buch.
Dieter Wiedemann

Rechtsorientierung und Medieneinfluss.
Schlaglichter

Schlaglichter auf das Diskursfeld Medieneinfluss und Rechtsextremismus wirft in seinem Einleitungsaufsatz der Herausgeber dieses Bandes, Dieter Wiedemann. Seine Skizze der gegenwärtigen Diskurslage macht deutlich, dass die Frage, wie über spektakuläre Politdelikte angemessen zu berichten sei, nicht leichterdings zu beantworten ist. Und er zeigt, wie diese Debatte nicht nur die aktuelle Berichterstattung betrifft, sondern auch die filmische Auseinandersetzung mit dem Rechts-Phänomen in den letzten Jahren bewegt hat.

Jürgen Lauffer

Jugendkulturelle Strategien gegen rechte Kultur.
Der Beitrag der Medienpädagogik

Jürgen Lauffer wirft die Frage nach dem Beitrag der Medienpädagogik vor dem allgemeinen gesellschaftlichen und kulturellen Hintergrund auf.

Ein Vorabdruck dieses Beitrags erschien in "Kulturpolitische Mitteilungen" Heft 3/2001.

Wilfried Ferchhoff

Jugendszenen und Jugendmilieus
Das gesellschaftliche Umfeld der (Post-)Moderne, auf dem ja keineswegs nur, aber eben doch auch rechtsextremes Kraut gedeiht, interessiert Wilfried Ferchhoff, der den Verdacht, dass es sich heute nicht mehr lohne, erwachsen zu werden, als Ausgangspunkt für die Erwägung der Ambivalenzen nimmt, sich heutzutage politisch zu engagieren.

Wolfgang Nieke

Das Fremde als Bedrohung des Eigenraumes.
Kognitive Überforderung oder Rationalisierung von Vernichtungsphantasien?

Von einem kulturanthropologischen Gesichtspunkt aus nähert sich Wolfgang Nieke möglichen und selten bedachten Ursachen für die Bedrohungsängste, die das Fremde und die Fremden auszulösen vermögen. Er betont die persönliche und kulturelle Bedeutung des Eigenraums.

Christiane Tramitz

Ohnmacht - Angst - Wut - Hass
Die Genese extremer Emotionen rechtsextremer Gewaltverbrecher

Eine erhellende Exkursion in die dunklen Gefühlswelten rechtsextremer Delinquenten bietet Christiane Tramitz, die intensiv mit meist jugendlichen, stets männlichen Gewalttätern gesprochen hat.

Rainer Fromm/ Barbara Kernbach:

Rechtsextremismus - ein Männerphänomen?
Frauen im organisierten Rechtsextremismus

Der Annahme, dass Rechtsextremismus ein Männerphänomen sei, widersprechen mit gewichtigen Gründen Barbara Kernbach und Rainer Fromm. Sie bringen eindeutige Belege für die Verstrickung von Frauen und Mädchen in die diversen rechten Szenen und zeigen, dass der "weibliche Extremismus" manche Überraschung bietet. Ebensowenig ist Rechtsextremismus bloß eine Alterserscheinung. Doch ist die Feststellung nicht falsch, dass gerade jugendlicher Sturm und Drang für fatale Attitüden anfällig ist.

Wolfgang Frindte/ Susanne Jacob/ Jörg Neumann

Rechtsextreme Orientierungen von Schuljugendlichen und ihr Umgang mit neuen Medien

Gibt es, so fragt die Forscher/innengruppe Wolfgang Frindte / Susanne Jacob / Jörg Neumann bei rechten Schuljugendlichen ein spezifisches Mediennutzungsverhalten? Auch hier finden sich, statistisch gesichert, überraschende Antworten.

Franz Josef Krafeld

Akzeptierende Jugendarbeit
Grundsätzliches und Perspektivisches zu einem besonders kontrovers diskutierten Ansatz

Öffentliche Beachtung hat nicht nur die rechte Szene selbst erlangt. Zum Gegenstand engagierter Diskussionen wurden auch die sozialarbeiterischen Bemühungen, eine wirksame pädagogische Lösung dieser Problematik zu finden. Die Debatte konzentrierte sich dabei vor allem auf den teils gepriesenen, teils umstrittenen Ansatz der "Akzeptierenden Jugendarbeit". Entwickelt wurde er von Franz-Josef Krafeld, der seinen Ansatz hier noch einmal vorstellt und dessen Grundsätze und Perspektiven klärend zusammenfasst.

Michael Kohlstruck

Attraktivität ohne Gegenkraft?
Problematische Rahmenbedingungen der Jugendarbeit.

Mit sehr genauem Blick auf die rechtskulturellen Jugendmilieus, ihre Symboliken und Stilistiken beschreibt Michael Kohlstruck die Chancen einer zuwendenden, und das heißt nicht: bestätigenden!, Jugendarbeit. Er zeigt aber auch auf, dass vor den Erfolg der politische Wille gesetzt wird, eine personell und materiell gesicherte sozialpädagogische Infrastruktur zu schaffen.

Helmut Heitmann

Netzwerk- und Jugendarbeit gegen "Rechts" - ein stetiger "Stein des Anstoßes"

Auf das Problem fehlender Ressourcen und mangelnder Kontinuität geht aus der Perspektive des Praktikers Helmut Heitmann in seinem Beitrag ein. Zum Teil skeptische Auseinandersetzung mit den Chancen einer "Akzeptierenden Jugendarbeit".

Felicia Rüger

Rechtsextremismus - Zur gesellschaftlichen Verortung der Sozialarbeit

Eine weitere Praktikerin, Felica Rüger, begründet in einem leidenschaftlichen Appell die politische Aufgabenstellung der Sozialarbeit. Sie setzt sich zum Teil skeptisch mit den Chancen einer "Akzeptierenden Jugendarbeit" auseinander.

Wilfried Schubarth

Pädagogik gegen Rechts
Möglichkeiten des Umgangs mit Rechtsextremismus in Schule und Jugendarbeit

Wilfried Schubarth plädiert für den Ansatz der "Akzeptierenden Jugendarbeit" und zeigt sowohl für die schulische als auch außerschulische Pädagogik konkrete Handlungskonzepte auf.

Reiner Schiller-Dickhut

Demokratische Kultur entwickeln statt Therapie abweichenden Verhaltens

Dass Konzepte für die schulische als auch außerschulische Pädagogik nur dann dauerhafte Wirkung zeigen können, wenn sie integraler Bestandteil einer demokratischen, zivilgesellschaftlichen Kultur sind, mahnt Reiner Schiller-Dickhut an.

Wolfgang Welp

Die Auswirkungen medialer Konjunkturen auf die Jugendarbeit

Die gesellschaftliche Verantwortung für die Bewältigung der rechtsextremen Herausforderung liegt gewiss nicht nur bei den Pädagoginnen und Pädagogen, sie lastet auch auf denen, die die Öffentlichkeit über Rechtsextremismus informieren (oder auch gerade nicht). Den Zusammenhang zwischen medialen Konjunkturen und der faktisch möglichen pädagogischen Praxis stellt Wolfgang Welp her.

Hans-Bernd Brosius

Zwischen Eskalation und Verantwortung
Die Berichterstattung über fremdenfeindliche Gewalt und Rechtsextremismus

Benannt und sehr genau auf ihre öffentliche Wirkung hin untersucht werden mediale Konjunkturen von Hans-Bernd Brosius, der die Zusammenfassung seiner langjährigen Studien mit der eingehenden Frage nach der journalistischen Verantwortung verknüpft.

Rainer Dollase

Der Zuschauereffekt
Vom Umgang mit Rechtsextremen unter Bedingungen des öffentlichen Voyeurismus

Aus anderer Perspektive, mit einem Blick, wenn man so will, durchs Schlüsselloch greift Rainer Dollase dieses Thema auf: Dieser Blick, warnt er, ist gefährlich verengt, die Eindrücke, die sich aus dem knappen Hinschauen ergeben, sind nicht nur wahrscheinlich irreführend, sondern verleiten womöglich auch zu den falschen Konsequenzen.

Bertram Scheufele

Qualität, Angemessenheit und Wirkung der Ausländerberichterstattung - am Beispiel der Kurden

Wie problematisch selbst seriöse Meldungen über Ausländer wirken können, weist Bernhard Scheufele am Beispiel der Berichterstattung über Kurden in Deutschland in seiner Untersuchung nach.

Rainer Erb

Die Fortsetzung des nationalsozialistischen Krieges mit anderen Mitteln
Soldatische und militärische Phantasien in den rechtsextremen Szenemedien

Die Selbstpräsentation der Rechtsextremen in Wort, Bild und Musik ist Gegenstand des Aufsatzes über rechte Fanzines und CDs von Rainer Erb.

Heinz Lynen von Berg

Der parlamentarische Diskurs zum Rechtsextremismus und fremdenfeindlicher Gewalt

Öffentlichkeit wird nicht allein durch Medien hergestellt. Ein bedeutsames Forum der politischen Auseinandersetzung stellen die Parlamente dar, zuallererst der Deutsche Bundestag. Den parlamentarischen Diskurs über Rechtsextremismus und fremdenfeindliche Gewalt stellt mit kritischem Blick Heinz Lynen von Berg zur Debatte.

Marco Fileccia

Medienkompetente Auseinandersetzung gegen Rechtsorientierung am praktischen Beispiel

Das Schulprojekt www.stirnbieten.de am Bert-Brecht-Gymnasium in Dortmund

Konzepte gegen die rechte Gefahr sollen in diesem Band nicht nur diskutiert, sie sollen auch vorgestellt werden.Ein empfehlenswertes und beispielhaftes Modell: Das Dortmunder Schulprojekt "stirnbieten.de", das dessen Initiator Marco Fileccia erläutert.

Claudia Hermes/ Ulrich Wisser

"Rechts rum?"
Politische Bildung im Internet als Innovationsprojekt des Landes NRW

Ein weiteres empfehlenswertes und beispielhaftes Modell: Das kürzlich vom Bundesland NRW ins Netz gestellte Internetspiel "Rechts rum?", ein Beitrag zur politischen Bildung, dargestellt von der Projektleiterin Claudia Hermes und dem Softwarespezialisten Ulrich Wisser.

Links gegen Rechts

Um den Leserinnen und Lesern über die Lektüre hinaus Anregungen für die Beschäftigung mit dem Thema zu geben, enthält der Buchanhang eine Auflistung aller in den Texten erwähnten Internetlinks, die Informationen und Impulse liefern im mühsamen, aber nicht aussichtslosen Kampf gegen die rechtsextreme Herausforderung.