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Vorwort

Warum diese Publikation?

Medien spiegeln nicht nur unser Leben wider, bilden es ab und dokumentieren es in Wort, Bild und Ton, sondern sie greifen in unseren Alltag ein und beeinflussen unser Denken und Handeln. Ihre zunehmende Präsenz in allen Lebensbereichen führt dazu, dass sie Lebensentwürfe bestimmen oder zumindest beeinflussen und ein wichtiger Faktor für die gegenwärtige und zukünftige Teilhabe in unserer Gesellschaft sind.
Besonders für Kinder und Jugendliche, aber auch für alle anderen gesellschaftlichen Gruppen ist daher die Kenntnis der Medien, das Wissen über Hintergründe, Gebrauch, Funktion, Funktionieren und über ihr eigenes Verhältnis dazu von großer Bedeutung. Die moderne Pädagogik hat daher den Begriff der Medienkompetenz entwickelt, der die Vermittlung eben dieses Wissens als Bildungsziel umschreibt. Der Begriff bildet dabei eine zeitgemäße Sicht von Lernprozessen und Wissensvermittlung ab: In deutlicher Abgrenzung von einer Medienerziehung, die einen Erziehenden und einen `zu Erziehenden' impliziert, wird anerkannt, dass Lernprozesse sehr komplexe Kommunikationsprozesse sind, an denen alle an diesem Prozess Beteiligten mitwirken.
Ganz besonders trifft diese Sichtweise sicher den Umgang mit den neuen Medien, der von der technischen Seite her Kindern und Jugendlichen mitunter leichter gelingt als ihren Lehrern.
Dass die Medienkompetenzvermittlung daher gefördert werden muss, wird in Deutschland auch politisch aufgenommen: In den Koalitionsvereinbarungen der Bundes- und Landesregierungen z.B. wird die Notwendigkeit der Förderung der Medienkompetenz für unterschiedliche gesellschaftliche Bereiche gesehen:

  • bei der Wirtschaftsförderung: Mittlere Unternehmen sollen konkurrenzfähig zu international operierenden Konzernen werden
  • in der Schule und in der Bildungspolitik: In Unterricht und Lehre soll Medienkompetenz als fächerübergreifendes Prinzip eingeführt werden und
  • in der Kinder-, Jugend- und Familienbildung sowie in der Kinder- und Jugendhilfe: Hier soll sie mit dem Ziel verankert werden, die individuellen Chancen in der zukünftigen Gesellschaft zu verbessern.
Wie die Förderung von Medienkompetenz nun aber ganz konkret aussieht, hier bezogen auf Schule und außerschulische Bildung, welche Rolle die Förderung der Medienkompetenz in diesen Lebensbereichen spielt, wie sie von Pädagogen, Praktikern und Theoretikern verstanden, operationalisiert und in die pädagogische Praxis transportiert wird, das soll diese Publikation anschaulich machen.
Sie finden in dieser Broschüre daher eine Collage aus Projektbeispielen und Statements, die sich alle um die Förderung von Medienkompetenz in der praktischen Umsetzung drehen.
Die umfassende Definition des Begriffs - Sie haben vielleicht bemerkt, dass ich in dieser Einführung eine Definition vermieden habe - stammt von Dieter Baacke, der das Wort in die pädagogische und politische Diskussion eingebracht hat.
Ihm ist dieses Heft, ihm ist aber auch der Dieter Baacke Preis gewidmet, der jährlich außergewöhnliche, auf Vermittlung von Medienkompetenz orientierte Projekte auszeichnet.

Jürgen Lauffer